Ziegelherstellung

Ringofen, Garbrand

Die getrockneten Rohlinge gelangten mit dem Kreistransporteur an die Ofentüren. Dort wurden sie aus den Tellern herausgenommen und auf eine transportable Rollenbahn mit einer Neigung von neun bis zehn Prozent Gefälle eingesetzt. Die Rohlinge liefen bis zu den zwei Setzern in den Ringofen. In achtundzwanzig Kammern wurden die Rohlinge bei 900° C gebrannt. Nach circa vier Tagen war der Brand beendet. Die verschlossenen Ofentüren wurden nach zehn Tagen geöffnet, und die fertigen Ziegel konnten aus dem Ofen entnommen werden.

Technik: Der Hoffmann’sche Ringofen

1858 ließ sich Friedrich Eduard Hoffmann aus dem benachbarten Gröningen den von ihm entwickelten so genannten Hoffmann’schen Ringofen patentieren, in dem das Feuer, einem endlosen Brennkanal folgend, seine Runde macht. Der Vorteil dieser Ofenkonstruktion war ein kontinuierlicher Brennprozess, das Brennmaterial konnte sparsamer eingesetzt werden.

Hoffmann'sche Ringofen

A Frischluft B Ofentür C Abgebrannter Einsatz D1 Vorfeuer D2 Hauptfeuer D3 Nachfeuer E Brennloch F Rauchabzug G Abzugsventil H Schornstein I Papierschieber J Stapelung der Rohlinge K Abtransport der Steine L Wanderung des Feuers M Rauchkanal

Der Hoffmann'sche Ringofen in der Alten Ziegelei Westeregeln wurde 1894 gebaut und 1936 erweitert; er ist damit der längste erhaltene Ringofen Europas: Er verfügt über ein Volumen von 564 Kubikmeter und ein Fassungsvermögen von 250.000 Ziegeln; der Brennkanal ist 122 Meter lang. Der Ofen hat 28 Kammern und beschreibt eine langgestreckte, ovale Form. Die Kammern liegen ringförmig um den Schornstein und waren ursprünglich durch eiserne Schieber getrennt; bis heute existieren jedoch Papierschieber. Jede Kammer ist sowohl mit dem Schornstein als auch mit der Brennstelle verbunden. Für das Garbrennen kam Brikettabrieb zum Einsatz. Über einen Elevator wurde der Brennstoffsdirekt aus dem Kohlebunker auf den Ringofen transportiert. Auf dem Ofen abgelagert, wurde der Brennstoff in kleinen Mengen und in Abständen von max. 20 Minuten zugegeben. Die Brenner hatten ein Brennerbuch zu führen, in dem alle Vorgänge des Brennprozesses vermerkt wurden, darunter auch Brennstoffverbrauch und Störungen. Für die Pausen der Brenner stand auf dem Ofen eine so genannte Brennerbude zur Verfügung.

Verladung

Die Ziegel wurden auf luftbereiften Ausfahrwagen (Plattenwagen) auf Paletten gestapelt und aus dem Ofen gefahren. Ein Gabelstapler transportierte die Paletten mit dem Ziegeln direkt auf Kraftfahrzeuge oder setzte die Paletten als Lagerbestand um.