Förderverein

Kontakt:
Karl Heinz Schreiber
schreiber@westeregeln.de

Der Förderverein Ziegelei und Gipshütten Westeregeln e.V.

Mit dem Erwerb des Areals der Alten Ziegelei auf dem Kalkberg Westeregeln durch die gemeinnützige Sozial-Aktien-Gesellschaft Bielefeld im Jahre 1996/1997 verband der damalige und heutige Geschäftsführer der Gesellschaft für Arbeit und Berufsförderung (GAB), Franz Schaible, die Idee, einen Förderverein ins Leben zu rufen, interessierte und engagierte Bürger der Region zu gewinnen und zu vereinen, die das Denkmal unterstützen, es bekannt zu machen, es ins Leben zurückzurufen.

Als im Mai 1998 der Förderverein seine Gründung bekanntgab, waren es 23 Bürgerinnen und Bürger, die bereit waren, an diesem Vorhaben mitzuwirken. Unter ihnen befanden sich ehemalige Mitarbeiter der Ziegelei, Künstler und Kulturschaffende, Heimathistoriker, Kommunalpolitiker und ehemalige Lehrer. So lud man schon am 19.September 1998 zu einem ersten Hoffest in die Alte Ziegelei Westeregeln ein, um den Westeregelnern zu sagen und zu zeigen, was man vorhat, und um Mitstreiter zu gewinnen.

Viele kamen, um zu sehen, was da noch stand und stehen sollte. Viele schauten aber auch skeptisch, da man inzwischen wusste, dass hier oben nie wieder Ziegel in großem Umfang gebrannt werden würden. Aber die Schätze – der längste Hoffmann‘sche Ringofen Europas, die uralte, noch funktionierende Ziegeleitechnik wie der Endlosförderer, der Kollergang, die Schlickeysenpresse, aber auch die geologisch seltenen Aufschlüsse in der Tongrube, die Grubenbahnanlage u.v.m. – diese Schätze wollten erhalten, geschützt und wiederbelebt werden. Ein solches Bau- und Industriedenkmal mit uralten Brennöfen, mit einmaligen Zeugnissen der Industriegeschichte, das konnte und musste erhalten und gerettet werden.

Der Förderverein stellte sich von Anfang an aktiv und schöpferisch an die Seite der Eigentümer, unterstützte die von diesen ins Leben gerufenen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen auch mit Taten, sorgte für die Erarbeitung der erforderlichen denkmalpflegerischen Zielstellung und für umfassende Aufklärung über den historischen Ort. Gleichzeitig wurden auf Einladung Fachleute der Deutschen Ziegelindustrie wirksam, kamen Experten der Gipsherstellung auf den Kalkberg, um zu helfen. Vor allem Schüler, Studenten, Wissenschaftler, Hobbyforscher und Archäologen erfuhren durch Exkursionen und Führungen, die kompetente Mitglieder des Fördervereins durchführten, Bereicherndes und Anregendes. Anfang Juni jeden Jahres veranstaltete der Förderverein das Ziegeleifest, die jeweils von bis zu 800 Besucherinnen und Besuchern frequentiert werden.

Bei den jährlich stattfindenden Zieglertreffen kommen ehemalige Ziegler zusammen, die mit ihren sachkundigen Hinweisen den denkmalpflegerischen Alltag bereichern. Große Bedeutung erwarb die künstlerische Bildung der Schul- und Kindergartenkinder durch den von einem Vereinsmitglied geleiteten Tonzirkel, der seit 1999 auch die örtliche Feierkultur tatkräftig und wirkungsvoll unterstützte. Ein vom Verein initiiertes Schulprojekt gemeinsam mit dem Egelner Gymnasium entdeckte im angrenzenden Biotop drei Rote-Liste-Pflanzen und leistete damit einen wertvollen Beitrag zum europäischen Pflanzenkalendarium.

Erkenntnisse aus der Gips- und Ziegelbrandgeschichte wurden bei den vom Verein initiierten Freilegungen von unterirdischen Brennöfen mit Unterstützung der örtlichen Sparkassen gewonnen, die sehr zum Ansehen des denkmalpflegerischen Vorhabens in der Fachwelt beitrugen. Überzeugender Ausdruck dieser Tatsache ist die erstmals im Jahre 2009 durchgeführte Internationale Tagung des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie in Westeregeln.

Bereits drei Jahre nach Gründung des Vereins zeichnete der Landkreis Staßfurt diesen mit dem Heimatpreis des Landkreises aus, die Mitgestaltung der Volks- und Heimatfeste des Territoriums sowie der jährlich stattfindenden Sachsen-Anhalt-Tage war für die Mitglieder des Vereins stets Ehrensache. In Zusammenarbeit mit Künstlern der Region sind Werke und Ausstellungen entstanden, die ihren Beitrag zur Pflege des nationalen Kulturerbes leisten.

Im Vorstand engagieren sich Prof. Dr. Andreas Beaugrand (Vorsitzender), Karl-Heinz Schreiber (Stellv. Vorsitzender), Olaf Lemke (Schriftführer) und Carola Bönecke (Schatzmeister), und im Verein sind es insbesondere Wilfried Breithaupt, Frieder Diederichs, Helmut Diederichs, Rudolf Hofmann, Marlies Hildebrandt, Klaus-Otto Jenke, Christiane Lindemann, Uschi Loof, Siegfried Mayer, Hans-Jochen Oelgart, Günter Stock, Christine Urbat, Karl Wächter, Ralf Dittrich, Ernst Wieser sowie Ralf und Christoph Patela, Christian Stell, Sebastian Hoppe (Freiwillige Feuerwehr Westeregeln) und viele andere mehr. Frau Gertrud Breithaupt und Wolfgang Lucke sind leider verstorben, wir behalten sie in guter Erinnerung.

Christine Urbat, Andreas Beaugrand, 5/2014